August 2019:

Arbeitsintegration: Der VESO überbrückt, begleitet, gliedert ein, öffnet Perspektiven 

Wegen familiärer und psychischer Probleme wurde Felix Kuhn arbeitsunfähig und zum IV-Fall. Nach einer gelungenen Arbeitsintegration durch IV und VESO kehrt er zurück ins «normale» Arbeitsleben. 

Bis zu seinem Lehrabschluss führte Felix Kuhn (*1989) ein ganz normales Leben: Er wuchs in Wallisellen auf, besuchte dort die Schulen und machte eine drei jährige Lehre als Sanitär. Doch dann verlor der Vater seine Stelle und seine Mutter erlitt ein Burn-out. Zudem bekamen Felix Kuhn der Stress und der rauhe Umgangston auf der Baustelle, seinem ersten Arbeitsplatz, schlecht: «Das alles hat mich stark belastet und psychisch herabgezogen», sagt er rückblickend. Es folgte eine längere Phase des Leidens und des «Herumdokterns»: «Ich pendelte zwischen Arbeitsfähigkeit und Krankheit; nach einer gewissen Zeit schafft man es da nicht mehr alleine heraus», sagt er rückblickend. Also suchte er externe Hilfe bei einer Psychotherapeutin und erhielt auch eine leichte Medikation. Doch das löste das Problem nicht: Gemeinsam mit ihr gelangte er zur Erkenntnis, dass sich grundsätzlich etwas ändern und er den Beruf wechseln musste. Auch war an Arbeit vorläufig nicht zu denken und so meldete sie ihn bei der Invalidenversicherung (IV) an. «Dort wollte man mir aber keine Umschulung finanzieren, sondern schlug mir Wiedereingliederungsmassnahmen vor», erzählt Kuhn.


Kleine Schritte führen zum Ziel

An diesem Punkt kam der VESO ins Spiel. Den Einstieg dort erlebte Felix Kuhn unkompliziert: «Nach einem Gespräch und einer Führung durch den Betrieb entschloss ich mich, in das Arbeitsintegrationsprogramm einzusteigen. » Zunächst wurden während vier Wochen seine körperlichen und geistigen Ressourcen, aber auch sein Eingliederungspotenzial abgeklärt. Gleichzeitig begann er im geschützten Rahmen der VESO Werkstatt und begleitet von einem Betreuer schrittweise wieder zu «arbeiten» – wobei natürlich nicht die Leistung im Vordergrund stand: «Am Anfang ging es vor allem darum, regelmässig und pünktlich zu erscheinen und damit die Tagesstrukturen wieder ins Lot zu bringen», erzählt er. Langsam und kontinuierlich seien dann die Präsenzzeit und die Arbeitsleistung gesteigert worden: «Zudem wurden die Arbeiten anspruchsvoller; dabei wurde ich durch verschiedene Fachpersonen des VESO intensiv begleitet», erzählt er.


Zurück in die Arbeitswelt

Als er diese erste «Hürde» nach einigen Monaten erfolgreich gemeistert hatte, konnte er in der Logistik des Frauenfelder Bürodienstleistungs-Unternehmens Witzig einen sechsmonatigen, externen Arbeitsversuch antreten. Beat Riesen, als Lehrlingsbetreuer auch für Wiedereinzugliedernde zuständig, sagt dazu: «Felix Kuhn war eher ein leichterer Fall: Er war besser belastbar und wir konnten ihm bald zusätzliche Arbeiten zur selbstständigen Erledigung übertragen», sagt er. Trotzdem sei es ein gemeinsamer Prozess gewesen: «Anfänglich war er nicht so zuverlässig, deshalb haben wir den Arbeitsplan zu seiner Entlastung angepasst – wodurch sich seine Präsenz deutlich verbesserte.» Wichtig sei es, die persönliche Beziehung zu pflegen und mit den Kandidaten ehrliche, offene Gespräche zu führen: «Bei Personen mit wenig Selbstwertgefühl braucht es halt schon ein bisschen mehr Geduld und Gschpüüri!» Mit der Zeit solle man ihnen aber auch mehr Freiheiten geben, damit sie mehr Verantwortung übernehmen, Anerkennung und Vertrauen gewinnen könnten: «Positive Rückmeldungen – auch vom Team – steigern ihr Selbstvertrauen!» Das bestätigt auch Kuhn: «Ich war dort ein Mensch, nicht einfach ein Handlanger», sagt er, «Und wenn mich die Kollegen fragten, wie es mir gehe, dann war das nicht nur eine Floskel.» Sein persönliches Fazit zur Wiedereingliederung: «Wenn man selber nicht will, dann bringt es nichts.»


Neue Perspektiven

Inzwischen hat Felix Kuhn sein Wiedereingliederungs-Programm abgeschlossen und steht nach zweieinhalb Jahren mit IV-Betreuung und Coaching durch den VESO wieder auf eigenen Beinen. Bei Witzig aber kann er noch bis nächsten Frühling in einem normalen Anstellungsverhältnis an einem grösseren Projekt mitwirken. Und für die Zukunft hat er auch schon Pläne: Er möchte in den Sozialbereich umsteigen. «Die Idee, so etwas zu machen, war schon früher da», sagt er, «Durch meine eigenen Erfahrungen habe ich aber sicher an Reife und Empathie dazu gewonnen.»